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Sonntag, 17. Oktober 2010

Agoraphobie

In letzter Zeit wurde ich öfters gefragt warum die meisten Fotos von mir drin aufgenommen werden und wurden, und selten Freunde erwähnt oder gesehen werden.
Teilweise ist das ganz einfach zu beantworten, aber wiederum ist es doch recht Privat.
Ich habe lange überlegt ob ich das beantworten soll oder nicht, aber ich bin zu dem entschluss gekommen, das ich versuchen werde alles zu erklären.
Ich glaube fast es ist wichtig über so etwas bescheid zu wissen, denn ehrlich, das kann jedem passieren.

Also zum einem Freunde werden selten erwähnt oder auf Fotos gezeigt, weil das zum einem nicht jeder möchte und zum anderen möchte nicht jeder im Internet zu sehen sein auf Fotos. Ausserdem habe ich nicht viele Freunde, es sind wenige aber dafür sehr gute Freunde, die mir immer beigestanden haben.

Zudem warum ich auf Fotos meist zu Hause bin.
Vor ca. zweieinhalb Jahren litt ich noch an schwerer Agoraphobie, ich weiss nicht ob jeder was mit diesem Ausdruck anfangen kann.
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Die kurz Form: Als Agoraphobie bezeichnet man eine Angst bzw. ein starkes Unwohlsein an bestimmten Orten, die aus diesem Grunde gemieden werden. In schweren Fällen kann die eigene Wohnung nicht mehr verlassen werden.
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Bei mir traf der schwerste fall zu.
Wie hat sich das entwickelt, ehrlich gesagt weiss ich das nicht genau. Ich hatte immer eine gesunde Psyche wenn man mal von den Depressionen absieht. In meiner Familie gab es so einen fall noch nicht.
Irgendwann mal bin ich einkaufen gegangen, alles war normal an diesem Tag.
Aber plötzlich, bekam ich Herzrasen alles in mir hat sich verkrampft, schweisausbruch ich hyperventilierte und bin zusammgeklappt.
Der Notarzt wurde gerufen, ich kam ins Krankenhaus, es gab absolut keinen physischen Grund für diesen Zusammbruch.
Ich wurde also damit nach Hause geschickt, mit nichts, ausser der Ungewissheit ob das nochmal passieren könnte.
Den nächsten Tag ging ich nicht raus, es gab keinen Grund es war Sonntag, und schlechtes Wetter.
Als ich dann am Montag einkaufen gehen wollte, stand ich vor der Tür, fertig angezogen und bereit.
In mir breitete sich Unwohlsein aus, mir wurde schlecht als ob ich mich übergeben müsste. Ich machte die Tür auf und ging durch den Flur, mein Herz schlug schneller und schneller, drausen angekommen wurde mir schwindelig ich bekam Panik, Panik wie man sie nur haben sollte wenn wirklich gefahr im verzug ist.
Ich rannte wieder in die Wohnung, in der Hoffnung die Panik würde aufhören.
Und sie hörte auf, in meiner Wohnung habe ich mich sicher gefühlt.
Mein Kopf wurde zu meinem eigenen Gefängnis, von da an war alles nur eine Tortur, meine Mitbewohner mussten für mich sorgen, ich ging zu unzähligen Ärzten oder besser ich wurde gefahren, meine "Freunde" kamen mich nicht mehr besuchen bis auf ganz wenige die wirklich meine Freunde waren.
Ein Sozialesleben hatte ich kaum noch, ich habe anderen Menschen mehr oder weniger beim Leben zu gucken dürfen, was noch viel schmerzlicher war als die Einsamkeit.
Ich war voller Neid.
Meine Tage liefen immer gleich ab Fernsehen, Internet, essen war wirklich selten der Fall, ich hatte einfach keinen Appetit, ich denke das kann man mir nicht verübeln in so einer Situation.
Schlaflosigkeit, starke Kopfschmerzen, ich war schlapp und träge, alles was starkes Untergewicht mitsich bringt.

Das erste Jahr, war für mich jeder Tag noch voller Hoffnung es würde irgendwann ein Ende haben, und jeder Tag an dem ich es wieder nicht rausgeschafft habe war so schrecklich Enttäuschend.

Am ende wog ich nur 32 kg, ich schätze im zweiten Jahr dieser Krankheit war dieses NICHT essen, die einziege Kontrolle über mich die ich noch hatte.
Aber als ich auf der Waage diese 32 kg sah, war für mich der Punkt ereicht noch einmal hilfe aufzusuchen.
Ich wurde ins Krankenhaus gebracht in die Psychatrische Station, ich war enttäuscht zum einem weil das Hauptproblem die Agoraphobie gar nicht beachtet wurde.
Zum anderen hätte ich auf eine Psychosomatische Station gehört wo keine Plätze mehr frei waren, ich sollte Antidepressiva nehmen um meinem Appetit zu steigern. Sowas Absurdes hatte ich noch nicht gehört, ich denke es ist jedem seine Entscheidung ob man solche Tabletten nehmen möchte oder nicht.
Ich verweigerte sie.
Nach zwei Wochen in diesem Krankenhaus bekam ich Freigang, ich durfte also für einige Stunden nach Hause.
Ich nutzte diese Chance, nicht mehr ins Krankenhaus zurück zu gehen.
Eine Zeitlang wohnte ich dann bei einer bekannten auf dem Land, das Essen verlief aufeinmal wieder reibungslos, ich hatte Hunger, Appetit und vorallem das erste mal seid zwei Jahren hat es mir geschmeckt.
Wieder zu Hause hatte ich dann versucht rauszugehen immer wieder, niemals allein, aber ich war drausen. Mal ein Meter mal zwei Meter und immer weiter.
Ich hab es geschafft wieder rauszugehen, nach zwei langen quälenden Jahren.
Ich kann nicht gerade behaupten das mir Ärzte geholfen haben, Psychologen oder sonst was. Bei einigen mag das erfolgreich sein, bei mir war es das nicht, nicht mit den Techniken die, die versuchen anzuwenden.
Mir haben meine Freunde geholfen, die so unendlich viel Geduld mit mir hatten, alles versucht haben um mir zu helfen.

Leider muss ich sagen das mir sozialekontakte knüpfen, manchmal immer noch schwer fällt, aber ich gebe mir die größte Mühe alles wieder normal werden zu lassen. Den Leute die mir gutes wollen auch zu vertrauen.
Große Menschenmaßen sind immer noch schwierig, aber ich war auch schon wieder auf konzerten :).
Es ist wirklich schwer sowas ganz los zuwerden, und die meisten Menschen würden mir niemals anmerken das ich an soetwas gelitten habe.
Aber man brauch sich für sowas wirklich nicht zu schämen, ich kann da ganz offen drüber reden/schreiben wie man merkt.
Ich bin jetzt um einiges Emotinaler als noch vor einer Stunde, wenn ich daran denke bin ich traurig um die verlorene Zeit aber auch überglücklich mein Leben zurück zu haben.

Und jetzt möchte euch mal was zeigen


Das ist das erste Foto was von mir drausen gemacht wurde, als ich ein paar Meter von meiner Haustür weggesessen habe. Das war ein großer Tag für mich, weil ich mindestens eine halbe Stunde da drausen gesessen habe :).


Hier war ich das erste mal wieder im Park :) grilln, auf dem Weg dahin bekam ich wieder große Panik, aber ich hab mich da durch geboxt und bin weiter gegangen.

Und das hier hätte ich fast verpasst :) und ich bin froh das es nicht der fall war.

Die Hochzeit meiner Schwester :)
sah sie nicht wunderschön aus?

Ja also das ist so der Grund, die Geschichte die so hinter mir steht.
Ich weiss das war jetzt sehr Privat, aber ich bin der Hoffnung das es gut aufgefasst wird.
Damit wünsche ich euch noch einen schönen Abend :)
Liebste Grüße Miko

3 Kommentare:

Happy Berry hat gesagt…

Ich finde es gut, dass du so darüber schreiben kannst und dass du es geschafft hast, da raus zu finden! Ich weiß noch, als ich dich vor knapp 4-5 Jahren das erste mal auf einem Bevit-Treffen sah. Damals warst du unglaublich dünn, ich dachte, du hättest Magersucht... Aber jetzt wo ich lese, was dahinter steckt! Nur noch 32 Kg und das bei deiner Größe, das hätte dich umbringen können! Es ist gut, dass du zu Ärzten gegangen bist und dich nicht weiterhin verschanzt hast! Und es freut mich, dass du wieder nach draussen gefunden hast und kann mir vorstellen, was dir dieses erste Foto bedeutet! Das erste mal wieder draussen zu sein ohne diese Angstausbrüche!

Es freut mich, dass du es geschafft hast und dein Leben wieder im Griff hast und wünsche dir, dass es ab jetzt nur noch bergauf geht!

Ein hübsches Foto von deiner Schwester hast du da gepostet, ich freue mich ja auch schon wahnsinnig auf unsere Hochzeit nächstes Jahr <3

*Miko mal drück*

Miko hat gesagt…

Ich bin auch froh das ich inzwischen über die Agoraphobie so offen schreiben kann, weil zeitweilig hab ich mich echt geschämt.
Allerdings denke ich die Leute verstehen besser wieso ich bin wie ich bin, wenn sie bescheid wissen.
:) Du hast ja auch gedacht ich hätte Magersucht, und ich kann das auch verstehen wenn ich jemanden wie mich sehe denke ich mir auch immer so mein teil.

:) ja das hochzeitskleid meiner Schwester war das nicht schön?
Meine Schwester Sandy hat auch schon geheiratet, aber ihr Kleid sah etwas unmoderner aus aber auch wunderschön :) das kann ich auch mal Posten wenn du möchtest ?
Ich bin schon sehr gespannt wie du dann aussiehst *_* ich liebe Hochzeiten.
Ich glaub dir das du dich drauf freust :) wäre ja auch komisch wenn nicht ;)

Ganz liebe Grüße <3

Happy Berry hat gesagt…

Ja poste ruhig mal, würd ich mich drüber freuen :)
Ja ich freue mich echt schon total. Hab allerdings noch kein Kleid. Ich warte die Hochzeitsmesse untern Funkturm ab, die ja nächsten Monat endlich sein wird. Darauf freu ich mich auch schon wahnsinnig!!!

Liebe Grüße

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